Diesmal habe ich ein älteres Buch gelesen: "Bewohnte Frau" von der nicaraguanischen Schriftstellerin Gioconda Belli, das Ende der Achtziger Jahre veröffentlicht wurde.
Cover
Ein Gemälde zeigt die Hauptfigur Lavinia mit ihrem Orangenbaum und einer Siedlung im Hintergrund. Es ist geschmackvoll, erzählt etwas über die Geschichte, ist aber nicht spektakulär.
2 Punkte
Titel
Der Titel macht neugierig.
2 Punkte
Klappentext
Der Klappentext hat mit dem Titel überhaupt nichts zu tun, beschreibt aber treffend einen Handlungsstrang des Inhalts. Aufgrund des Klappentexts hätte ich das Buch eher nicht gekauft.
0 Punkte
Erste Abschnitte
Die Geschichte beginnt mit dem Aufstieg der Seele einer Ureinwohnerin Nicaraguas, die nicht in den Himmel steigt, sondern sich in einen Orangenbaum nistet, der im Garten von Lavinia, der Hauptfigur steht. Man ist sofort in der Geschichte und kann nicht aufhören zu lesen.
3 Punkte
Spannungsbogen
Die Geschichte ist unglaublich spannend. Zwei Fäden sind miteinander verwoben, die Sicht der alten Seele, die nun im Baum wohnt und später in Lavinia, sowie das Schicksal von Lavinia. Teilweise hatte ich das Gefühl, mit angehaltenem Atem zu lesen. Nur ab der Mitte des Buches gab es einige Längen, die mich veranlassten, Pausen einzulegen, die dann zusätzlich kontraproduktiv für den Lesefluss waren.
4 Punkte
Handlungsverlauf
Lavinia träumt von einem Leben als unabhängige, freie, selbstbewusste Frau. Sie ist Architektin und verliebt sich in ihren Kollegen Felipe. Als sie erfährt, dass er im bewaffneten Widerstand ist, ist sie hin- und hergerissen zwischen der Sehnsucht nach einem normalen Leben, der Verantwortung gegenüber den Schwachen und Unterdrückten und der Liebe zu Felipe. Logischer und realistisch erscheinender Handlungsverlauf, perfekt, nichts auszusetzen.
5 Punkte
Sprachstil
Hervorragender, poetischer Sprachstil mit viel Tiefgang, ein Buch zum Zitate-rausschreiben. Einige Schwächen wie falsche Verben nach wörtlicher Rede ([…]", lächelte sie …). Ein wenig nervig fand ich die poetisierenden Umschreibungen der wenigen Liebesszenen, die für den Fortgang des Buchs aber auch ohne Belang sind. Es ist nun mal ein älteres Buch.
2 Punkte
Fehlerhäufigkeit
Das Buch ist gut korrigiert, mir sind keine Fehler im Gedächtnis geblieben.
2 Punkte
Charaktere
Lavinia, Felipe und alle anderen wirken unglaublich authentisch. Ihre Gefühle sind so nachvollziehbar beschrieben, dass sie sich auf den Leser übertragen, alles scheint tatsächlich passiert zu sein.
3 Punkte
Fazit
Leidenschaftlich, romantisch, wild, fesselnd, dramatisch - ein unglaublich packendes Buch mit einer Geschichte, die gänsehauterregend real erscheint. Bedauerlich, dass die Geschichte des Nebenstrangs der indigenen Ureinwohner Itzà und Yarince so wenig Raum hat, genauso wie der titelgebende Umstand der "Bewohntheit" von Lavinia durch Itzà nur wenig zutage tritt. Hier hätte ich mir mehr erhofft. Trotzdem empfehlenswert!
23 von 26 möglichen Punkten
Kommentar schreiben
Viktoria Giorgadze (Montag, 22 Juni 2020 22:54)
Ich finde, dass das Buch einfach toll ist. Schön, dass dir auch gefallen hat. LG